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Schwerin in Mecklenburg-Vorpommern

Schwerinerin Reingard Backhaus startet durch…

Zwischen Schwerin via Rostock bis Greifswald ist bzw. war in diesem Sommer jede Menge los. In Schwerin lock(t)en der Gartensommer bzw. die Schlossfestspiele, in Rostock die „Warnemünder Woche“ bzw. die „Hanse Sail“ und in Greifswald die Bach-Woche und das Fischerfest „Gaffelrigg“. Eine, die alle drei Städte gut kennt, ist Reingard-Backhaus, früher Hagemann, die jetzt in Berlin wohnt.

Reizvolle Städte, aber…

Alle drei Städte haben durchaus ihre Reize – und auch weniger gute Seiten. Diese wissen zu überzeugen und versagen doch im Detail. Sie wollen weltoffen sein, um doch provinziell zu bleiben. Sie geben sich jung, dabei rieselt der Kalk doch nur aus dem Stadtbild.

Die letzten Wochenenden, gerade auch in der Landeshauptstadt M-V, präsentierte sich dabei ambivalent. Schlossfest, 30 Jahre Schleifmühle, Konzerte der Festspiele M-V, die Volkshochschule Schwerin mit ihrer „Schwedischen Nacht“, „Romeo und Julia“ im Dom-Innenhof – das hört sich wie kultureller Hoch-Genuss an. War es dann auch – zumindest im „Großen und Ganzen“.

Herzoglicher Mummenschanz

Natürlich ist es eine Geschmacksfrage, ob man den „herzoglichen Mummenschanz“ im Schloss mochte, ob man naiv den Politikerinnen und Politikern im mondänen Ambiente folgte – beim Tag der offenen Landtagstür bzw. beim inoffiziellen Tag der poltischen Märchenstunden… Die richtigen „SommerMärchen“ des Schweriner Kultur- und Gartensommers 2015 kommen ja erst noch (vom 28. bis 30.August, nebst Winzer-Fest).

Wo ist, wo bleibt das wirklich Wichtige?

Schlimm ist es aber, wenn das wirklich Wichtige in den Hintergrund gerät… Montags gibt es in Schwerin auf dem Marienplatz „Die Schweriner Mahnwache für den Frieden“ – angesichts von 57 Kriegen und kriegerischen Auseinandersetzungen weltweit eine gute Initiative, aber die Schweriner haben dafür kein Interesse… „Bildungsnotstand“, „Fachkräftemangel“, „Wetter-Extreme (a la Tornado in Bützow), „Kita-Streiks“, „Griechenland-Drama“, „Europa-Krise“, „Ukraine-Konflikt“, „Globale Armut und hohe Kindersterblichkeit“, „Flüchtlingsproblematik“ , „- alles weit weg?! Nein – ganz und gar nicht!

Zwischen „Wohlstand“ und „Kultur“(-Kürzungen)

Und… Wohlstand „allerorten“? Dieser ist durchaus vorhanden, gerade auch in Schwerin, aber partizipieren wirklich alle davon – trotz besten Engagements der Einzelnen?! Eher nein.

„La Traviata“ wurde zu den Schlossfestspielen auf dem Alten Garten zwischen 3.Juli und 9.August aufgeführt – mit Sicherheit einer der Höhepunkte im diesjährigen Kultur-Kalender von M-V – neben der Hanse Sail in Rostock oder den Störtebeker-Festspielen auf Rügen.

Aber: Die Diskussionen um die Zukunft des Mecklenburgischen Staatstheaters sind alles andere als erfreulich. Dabei geht es nicht um die Perspektiven einzelner Künstlerinnen und Künstler – es geht um das „Wesentliche“. Was soll, was will das traditionsreiche Theater künftig?! Bisher gab es nur wolkige Ankündigungen. Fakt ist, dass das großartige kleine Ballett-Ensemble „andere Prioritäten“ erhalten soll – auf jeden Fall einen neuen Ballett-Direktor… Warum eigentlich? Das Schweriner Ballett – nicht nur subjektiv betrachtet – ist, neben der Mecklenburgischen Staatskapelle, das Flaggschiff des hiesigen Theaters. Viele nationale und internationale Auszeichnungen künden von deren großer Qualität. Klassik und Rock – das kleine Schweriner Ballett-Ensemble kann alles und das auf höchstem Niveau…

Sportive Landeshauptstadt

Der Sport ist in der Landeshauptstadt M-V ebenfalls „im Trend“, ob Schloss-Triathlon, Drachenbootfestival, Schloss-Schwimmen, Fünf-Seen-Lauf, Radrennen, Frauen-Volleyball mit dem SSC, Handball mit den Mecklenburger Stieren oder den grün-weißen Damen, Boxen beim BC Traktor, Leichtathletik mit Martina Strutz, Segeln auf dem Schweriner See und vieles andere mehr.

Schwerin ist also schön und schön naiv?!

Alles zu zynisch oder ist mit den einleitenden Aussagen auch „ein Körnchen“ Wahrheit verbunden?!

Nachgefragt bei Reingard Backhaus, ehemalige Studentin der Ernst-Moritz-Arndt-Universität, mehrfache Bowling-Meisterin von M-V, Schönheitskönigin und Model, Moderatorin, kurzum ein „Allround-Talent – Made in M-V“.

… Reingard ist übrigens auch schön, aber weder schön naiv noch schön blöd…

R.Backhaus, früher Hagemann, mit dem Blick für das große Ganze

„Wir in M-V sind besser als wir denken…“

Frage: Reingard, die Welt gerät aus den Fugen. Wo bleiben die Powerfrauen a la „R.B.“?!
Wie blicken Sie auf das globale „Große und Ganze“?

R.Hagemann-Backhaus M.M.

R.Hagemann-Backhaus M.M.

Reingard Backhaus: Die Geschichte lehrt uns, dass unsere Welt immer mal wieder aus den Fugen gerät! Egal, wie sehr wir uns anstrengen, Chaos zu vermeiden…. Es passiert doch immer erneut etwas! Denn: Neue, unvorhersehbare – traurige wie erfreuliche – Dinge geschehen ganz einfach – Dinge, auf die viel zu viele Menschen viel zu viele Antworten wissen!

Die Globalisierung hat nun einmal ihre Vor- wie auch Nachteile, dennoch, so hoffe ich zumindest, sind wir Menschen mittlerweile so weit, die richtigen Entscheidungen zu treffen! Es dürfen nicht nur die Symptome bekämpft werden, sondern es muss gefragt werden: Warum geschah es? Was ist die Ursache für das Geschehene? Es ist keine Lösung, nur die Folgen der jeweiligen Ereignisse zu lindern!

Frage: Viele Diskussionen in und um Schwerin. Wenn Sie aktuell an Schwerin denken: Was geht Ihnen da durch den Kopf?

Reingard Backhaus: Viel Positives! Im Gegensatz zu denen, die immer nur meckern, kann ich so viel Schönes in Schwerin erkennen! Schwerin bedeutet für mich Heimat. Ich habe hier meine Familie, immer noch viele Freunde…

Ich komme gerne zurück und genieße alles, was diese Stadt zu bieten hat: Natur, Kultur, Sportangebote! Schwerin ist die perfekte Balance zwischen „Einfach mal die Seele baumeln lassen!“ und „Raus aus dem Alltag! Endlich mal was erleben!“ …

Dabei kann ich das allerdings nur „von außen“ betrachten. Ich weiß sicher zu wenig über die Abläufe in der Stadtpolitik und über das kommunale Krisenmanagement. Dennoch bin ich mir des Unmuts vieler Schweriner wohl bewusst…

Ich selbst stelle mir in solchen Situationen allerdings oft die Frage, wie ich als Politiker reagieren und regieren würde. Würde ich es besser machen können? Ist mein Unmut gerechtfertigt? Und meistens komme ich ganz schnell zu dem Ergebnis, dass ich, mal wohl, mal übel, darauf vertraue, was die Politik, aus welchen Gründen auch immer, entscheidet! Ich liebe Schwerin, so oder so!

Frage: Reingard, Sie waren Studentin an der Greifswalder Uni… Welche Erinnerungen verbinden Sie mit Ihrer Studienzeit in Greifswald?

Reingard Backhaus: In Greifswald erlebte ich einige meiner allerschönsten Jahre! Der Universitäts-Campus hat mir unheimlich gefallen, genau wie all die außerordentlichen Aktivitäten, die mir Greifswald ermöglichte!

So war ich drei Jahr lang Moderatorin, Nachrichtensprecherin oder Chef vom Dienst bei „radio98eins“ und ebenfalls Sängerin im Universitätschor, mit dem ich nicht nur einige der wunderschönsten Oratorien singen durfte, die je geschrieben wurden, sondern mit dem ich ebenfalls zwei traumhafte Chor-Reisen mitmachte – nach Südafrika und nach Tschechien.

Meine drei Jahre in Greifswald waren einfach eine enorme Bereicherung für mein Leben! Einige meiner ehemaligen Kommilitonen sind heute noch enge Freunde von mir. Ich möchte diese Zeit nicht missen, auch wenn ich aus beruflichen Gründen Greifswald 2010 den Rücken kehren musste.

In Berlin begann für mich ein neues Leben. Ich studierte mehr oder weniger „in Teilzeit“ und konnte mich meiner Leidenschaft bzw. meinem Beruf, dem Modeln, widmen! Aber Greifswald wird immer einen besonderen Platz in meinem Herzen haben.

Frage: Zudem leben Sie in Schwerin, kennen auch Rostock. Wie ist Ihre allgemeine Meinung zu beiden Städten?

Reingard Backhaus: Nun ja, die Zeiten, in denen ich in Schwerin wohnte, sind lange vorbei, Dennoch, so würde ich behaupten, lebt es sich in beiden Städten ähnlich! In Schwerin ist man mehr für sich, ist näher zum (Binnen-)Wasser. Dafür fehlt die Ostsee mit dem tollen Strand, das Nachtleben, welches in Rostock aufgrund der Studenten natürlich um einiges belebter ist, und einfach der Flair einer Großstadt, den Rostock ausstrahlt.

Doch ein ganz großes, kulturelles Plus hat für mich persönlich Schwerin gegenüber Rostock: Unser wunderschönes Ensemble von Theater, Museum und dem unverwechselbaren Schloss! Es gibt in ganz Mecklenburg-Vorpommern für mich keine schönere Kulisse…

Frage: Deutschland geht es angeblich gut, auch wenn „gut“ ein kleines Wort ist – zudem sehr relativierbar. Auch M-V tutet angeblich ganz gut. Sie touren hingegen auch durch die Welt. Wenn Sie auf M-V „von außen“ blicken: Was fällt Ihnen dazu ein?

Reingard Backhaus: Ich habe gelernt, dass jeder Ort, jedes Bundesland, jedes Land überhaupt seine ganz eigenen kleinen und großen Probleme hat, mit denen es zu kämpfen hat!

Mecklenburg-Vorpommern bildet da keine Ausnahme. Ich wünschte mir das eine oder andere Mal eine weniger nationalistische politische Haltung unseres Ostens, dennoch bin ich der Meinung, MV tut, was es kann.

Ich selbst durfte erleben, wie erfolgreich man sich auf der Expo in Mailand präsentiert hat und unheimlich viel Zuspruch erntete. Wir sind engagiert sowie motiviert, wir forschen und entwickeln und sind eine der beliebtesten Urlaubsregionen, wenn nicht sogar DAS beliebteste Reiseziel der Deutschen! Wir sind besser als wir denken, aber tatsächlich muss ein Teil Deutschlands das noch herausfinden!

Frage: „Ruhige Bälle“ schieben Sie auch beim Bowling, sie zelebrieren die Schönheit und studieren hoffentlich fleißig… Wohin soll die Reise für Sie gehen, Reingard?

Reingard Backhaus: Wenn ich das nur wüsste… Rein theoretisch gibt es für alle Teilgebiete eindeutige Antworten: Im kommenden Bowling-Jahr werde ich das erste Mal für einen neuen Verein und damit in der zweiten Bundesliga Nord spielen! Zusammen mit meiner Team-Partnerin Franzi werde ich für den BV Gettorf aktiv sein.

Krankheitsbedingt gab es in deren Mannschaft drei Ausfälle und so werden Franzi und ich eine Saison aushelfen, um beim erfolgreichen Bestehen des BV Gettorf in der Bundesliga Unterstützung zu leisten! Erster Spieltag ist der 19./20.September in Wildau.

Auch beim Modeln läuft es derzeit wie „am Schnürchen“, so dass ich auch mit fast 30 Jahren noch nicht ans Aufhören denken muss!

Mein Studium steckt ebenfalls in der End-Phase und ich denke, im November/Dezember 2015 meinen Abschluss in der Tasche zu haben! Was allerdings danach kommt, steht noch in den Sternen…

Frage: Überall ist eine uneingeschränkte Blondinen-Offensive angesagt, TV- und Sport-Moderatoren, Spitzenkräfte in Politik und Wirtschaft, Pressesprecherinnen – alle erblonden. Was sagt uns das über den Zustand der hiesigen Gesellschaft?

Reingard Backhaus: Dass Außen nichts mit Innen zu tun hat!

Frage: Sie sind nun auch blond, aber geistig voll auf der Höhe… 25 Jahre deutsche Einheit – was verbinden Sie damit? Ganz tiefgründig…

Reingard Backhaus: Dass, aus eigener Erfahrung heraus, die Einheit auf dem Papier, aber tatsächlich immer noch nicht in den Köpfen der Menschen angekommen ist! Es wird noch die eine oder andere Generation brauchen, um die reale Einheit im Miteinander zu schaffen.

Vielen Dank, weiterhin maximale Erfolge und gute Gelingen bei allen Aktivitäten!

Marko Michels

PS: Wie schön es in Schwerin wirklich ist, wird an einem derzeit „besonderen Gast“ hierzulande deutlich… Die bisher an Schweriner Gewässer nicht bekannte typische Seelibelle, die Kleine Königslibelle, konnte Dr. Hauke Behr von der Unteren Naturschutzbehörde der Landeshauptstadt nun auch an verschiedenen Schweriner Seen nachweisen. Tja, sogar den Kleinen Königslibellen gefällt es an den Seen am großherzoglichen Schloss. Vielleicht kommen die „Großen Königslibellen“ ja auch noch. Touristen sind immer willkommen. (Aber bitte auch die „Bettensteuer“ im „Schilf-Hotel“ begleichen!) mm

 


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